Datenschutzbeauftragter News: Per RFID-Chip Implantat zum Cyborg

iRobot: Per RFID-Chip Implantat im Handumdrehen zum Cyborg werden

Haustierbesitzer kennen diese Technik bereits seit Langem: Zur Identifikation werden Bello und Minka mittlerweile standardmäßig RFID-Chips unter die Haut implantiert. Sollte das Tier einmal entlaufen, kann es durch das Implantat leichter identifiziert und zu seinem Halter zurückgebracht werden. Relativ neu ist, dass sich auch Menschen diese RFID-Chips einpflanzen lassen, um eine leichtere Identifizierung zu ermöglichen.

Kleiner RFID-Chip – große Wirkung

Auf diese Weise zu einem „Cyborg“ zu werden, ist denkbar einfach. Mit einer Spritze wird dem Empfänger ein Chip unter die Haut implantiert, der ungefähr die Größe eines Reiskorns hat. Von außen ist dieser Chip also fast nicht zu spüren. Allergische Reaktionen und dadurch bedingte Entzündungen sollen, so die Anbieter, äußerst selten sein.

Bargeldlose Zahlung als mögliches Einsatzfeld

Als umso größer wird der Nutzen beschrieben: Mithilfe eines entsprechenden Empfängergeräts ist es möglich, den Träger des Chips einwandfrei zu identifizieren. Viele Szenarien sind denkbar: Adressaustausch, schlüssellos Tür und Auto öffnen, Login ohne Passworteingabe oder bargeldlos Einkaufen. Mit dem vollen Einkaufswagen lange an der Kassenschlange anstehen, die Waren umständlich aufs Band legen und sich mit einer gereizten Kassiererin über die korrekte Höhe des Wechselgeldes streiten – das könnte zukünftig der Vergangenheit angehören.

Sind sowohl die Waren als auch der Kunde mit einem RFID-Chip markiert, muss der Einkaufswagen nur an einem im Ausgangsbereich des Supermarktes stationierten Empfangsgerät vorbeigefahren werden. Dieses Gerät erfasst automatisch, welche Waren sich im Einkaufswagen befinden, verschickt die Rechnung per E-Mail an den Kunden und bucht den Kaufpreis direkt von dessen Konto ab.

Schöne neue Welt – datenschutzrechtlich aber sehr bedenklich

Sollte sich diese Technik durchsetzen, werden im öffentlichen Raum viele Lesegeräte zu finden sein. Jedes dieser Geräte wird das Implantat auslesen können. Werden die Geräte vernetzt, ist es möglich, ein Bewegungsprofil des Trägers zu erstellen. Das öffnet – Verschwörungstheoretiker aufgepasst – der staatlichen Überwachung Tür und Tor.

Privatwirtschaftliche Unternehmen werden ebenfalls ein großes Interesse an dem auf diese Weise gewonnenen Datenmaterial haben. Die Erfassung derart valider Daten über die Konsumgewohnheiten eines Einzelnen war bislang nur selten möglich, mit deutlich größerem Aufwand verbunden und daher teuer.

Missbrauch ist vorprogrammiert

Aber nicht nur die von den zu legalen Zwecken aufgestellten Lesegeräten erfassten Daten können genutzt und missbraucht werden. Um an die Daten der Chip-Träger zu gelangen, müssen Kriminelle nur eigene Lesegeräte aufstellen. Wenn zur Erleichterung des Einkaufs die Bankdaten des Trägers auf dem Chip gespeichert werden, können diese auch von Menschen ausgelesen werden, die diese Bankdaten zu eigenen Zwecken nutzen wollen. Ob der Chip-Träger mit der derartigen Verwendung seiner Daten im Einzelfall einverstanden ist, darf stark bezweifelt werden.

Derzeit noch geringe Verbreitung der implantierten RFID-Chips

Im Moment ist das alles freilich nur Zukunftsmusik, noch werden RFID-Chips flächendeckend tatsächlich nur Tieren implantiert. Verfolgt man jedoch die einschlägigen Medien, findet man immer häufiger Berichte über die Möglichkeiten, die diese Technik auch für den Einsatz beim Menschen bietet.

Wer sich von der in dieser Berichterstattung mitunter zum Ausdruck kommenden Begeisterung anstecken lässt und sich vielleicht sogar für ein Implantat entscheidet, sollte sich zuvor jedoch die aufgeführten datenschutzrechtlichen Bedenken durch den Kopf gehen lassen. Möglicherweise wird er so davon abgehalten, sich selbst gegenüber dem Rest der Welt noch etwas gläserner zu machen.

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